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Romar

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Sonntag, 6. März 2016, 11:32

Selbstgemachter Snus aus Grundzutaten

Selbstgemachter Snus aus Grundzutaten


Tabakblätter, Rohtabak, ich persönlich
verwende Virginia-Burley-Mischung, vorzugsweise schon entrippt, an
einem warmen trockenen Ort, so lange trocknen bis die Blätter spröde
werden.


Heizung, heißer, aber ausgeschalteter
Backofen oder pralle Sonne, je nach Jahreszeit.

Mit einem Mörser oder in der el.
Kaffeemühle zerkleinern und durch ein Haarsieb sieben.

Den Grobanteil weiter zerkleinern bis
alles durch das Sieb gegangen ist.

Der Blatttabak ist bei Ebay recht
günstig zu haben.


Für 100 g Tabakmehl (ergibt etwa 200g
fertigen Snus):


120 ml (oder Gramm) Wasser erwärmen
und

etwa 8-10 g Meersalz darin auflösen

zusammen mit dem Tabakmehl in ein
Schraubglas und mit einer Gabel gut durchmischen.


In vielen Snusrezepten ist die
Wassermenge sehr viel höher, da wird aber auch in einem 'offenen
System' gearbeitet, bei dem nicht unerhebliche Mengen verdunsten. Bei
manchen Rezepten muss man sogar nachfeuchten. Das vermeidet man
völlig wenn man in geschlossenen Einmachgläsern mit Schraubdeckel
arbeitet. Fertiger Snus aus der Dose enthält etwa 55% Feuchtigkeit,
danach habe ich mich gerichtet und gute Erfahrung damit gemacht.


Das verschlossene Glas in einen
Kochtopf mit kaltem Wasser geben, Topfdeckel schließen und langsam
zum Kochen bringen, damit die sich durch die Wärme ausdehnende Luft
im Glas entweichen kann. Nicht mit heißem Wasser übergießen, das
Glas würde platzen.


Dann auf kleinster Stufe 32 Stunden bei
etwa 85°C halten.

Man kann beliebig oft unterbrechen, ich
mache das 4 mal 8 Stunden.

Das Glas bleibt geschlossen und der
Inhalt wird alle 4 Stunden durch Schütteln intensiv gemischt.

Der Tabak wird über die Zeit
dunkelbraun und beginnt intensiv zu riechen.


Nun etwa 9 g Natriumcarbonat (Soda, die
gibt es als Waschsoda in der Drogerie) trocken unter den feuchten
Tabak mischen, sehr gut durchrühren, bis keine weißen Partikel mehr
zu erkennen sind.

Das Glas wieder verschließen und
nochmal 12 Stunden im Wasserbad erwärmen. Es genügen 60-70°C. Der
Tabak dunkelt noch weiter nach, er wird schokoladenbraun.


Durch die Soda wird der pH-Wert auf
etwa 8 angehoben und das Nikotin wird durch die Soda 'befreit', es
ist im Tabak nämlich an verschiedene natürliche Säuren gebunden.
Das freie Nikotin ist jetzt wasserlöslich und kann durch die
Mundschleimhäute aufgenommen werden. Durch diese chemische Reaktion
wird nebenbei auch Ammoniak freigesetzt, man kann das deutlich
riechen, sobald man Soda hinzugibt.


Das fertige Produkt muss nun einige
Tage ruhen, damit der Ammoniak verfliegen kann. Der Geschmack
ist einfach gräßlich und der frische Snus ist in dieser Form
ungenießbar. Also in ein mit einem Tuch verschlossenes Gefäß geben
und kühl stellen.


Nach etwa einer Woche, besser zwei kann
man den Snus nun probieren.


Der Snus ist immer noch unfertig. Er
ist recht krümelig und natürlich noch ohne Aroma.


Ich persönlich aromatisiere meinen
Snus erst wenn er gereift ist. Das Aroma ist dann leichter zu
variieren und ich kann aus einer kleinen 200 g Charge acht Dosen mit
den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen herstellen. Man kann die
Aromen aber auch schon mit der Soda zusammen zum Tabak geben.


Für die hier besprochene 200g-Charge
aus 100 g trockenem Tabakmehl löse ich in etwa 20 ml Glycerin zwei
Teelöffel ätherisches Bergamotteöl, Orangenöl, Wintergreenaroma,
Lavendelöl oder Zimtaroma auf und mischt es mit dem Tabak. Zwei
gehäufte Esslöffel Backkakao und ein Schuß Vanilleextrakt (aus
zerhackten Vanilleschoten und Wodka leicht herzustellen) liefert auch
ein gutes Aroma.


Sehr interessante Geschmacksrichtungen
lassen sich auch mit NIKOTINFREIEN E-Liquids
für die E-Zigaretten erzielen.


Diese Liquids bestehen aus Glycerin und
Propylenglycol, der Glycerinzusatz ist dann entbehrlich. Latte
Macchiato (geht gut mit dem oben erwähnten Kakao zusammen), Melone,
Ice-Mint, Whiskey und viele andere Geschmacksrichtungen sind da auf
dem Markt. Sie sind aber eher verhalten und schwach im Aroma.

Unbedingt darauf achten dass diese
Liquids aber NIKOTINFREI sein müssen.


Glycerin hat einen ausgeprägten
Süßgeschmack, Propylenglycol weniger. Beides verwendet man als
Feuchthaltemittel und Träger für die aromatischen Öle, die sich
leicht darin lösen. Glycerin und Propylenglycol wirken
wasseranziehend und nehmen Luftfeuchtigkeit auf. Der Snus trocknet so
nicht aus. Sie sind als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen,
unbedenklich und in der Apotheke zu haben.


Wenn der Apotheker dumme Fragen stellt,
dann sagt man, dass man es zum Feuchthalten trockener Hornhaut
braucht.


Wenn der Snus nicht zusammenhalten
will, kann mit etwa 5 g Gummi Arabicum (trockenes Pulver)
nachgeholfen werden. Gummi Arabicum wird in der Pharmazie als
Bindemittel, in der Bäckerei als Backhilfsmittel verwendet. Es ist
ein Lebensmittelzusatzstoff, geschmacklos und hält den Snus gut
zusammen. Der Snus bekommt dann eine festere Konsistenz, nimmt man
noch mehr, wird er wie Thunder lose. Es bildet sich dann im Mund auch
ein Gel und er wirkt glitschig.

Gummi Arabikum ist in beliebigen Mengen
preiswert bei Ebay zu finden.


Zwei bis drei Tage nachreifen lassen,
dann verteilen sich die Aromen besser und verbinden sich mit dem
Snus. Der Snus ist mittlerweile sehr dunkel, fast schwarz geworden.


Zur Soda:

Die muss unbedingt sein. Die Dosierung
ist tricky, zu wenig, dann schmeckt der Snus scharf-brennend im
Rachen und hat wenig lösliches Nikotin, zu viel verschafft zwar eine
stärkere Nikotin-Freisetzung, reizt aber die Schleimhäute der
Lippen.

Soda ist Natriumcarbonat Na2(CO3)2, man
kann sie als Waschsoda, chemisch rein, im Drogeriemarkt kaufen oder
aus Natriumbicarbonat NaHCO3 (Natron, Bullrich-Salz, Baking-Soda –
nein, nicht das Backpulver) selbst herstellen, indem man es dünn auf
ein Backblech streut und bei 210°C 20 min im Backofen lässt.


Als Alternative zu Soda kann man auch
Pottasche, Kaliumcarbonat, K2(CO3)2 verwenden. Im asiatischen
Lebensmittelhandel gibt es auch eine wässrige Lösung, Lye-Water.
Wie stark die ist und wie man die dosiert kann ich aber nicht sagen.


Zu den Aromen:

Reine ätherische Öle sind am besten.
Bergamotte, Zitrone, Orange, Lavendel um nur einige zu nennen.
Backaromen sind nicht so gut, sie sind mit Pflanzenöl gestreckt. Sie
aromatisieren schwächer und das Pflanzenöl verseift mit der Soda
nach einiger Zeit. Der Snus schmeckt dann ausgeprägt nach Seife wenn
der Snus längere Zeit zu warm gelagert wird.

Wenn also Kakao verwendet wird,
unbedingt den stark entölten verwenden.

Fette Öle, also solche die auf ein zur
Probe auf ein Papier getropft nicht vollständig verfliegen, besser
meiden.


Zum Warmhalten im Wasserbad.


Snus wurde schon in schwedischen
Bauernküchen hergestellt, als es noch keine Sous-Vide Geräte,
Backöfen mit Temperaturregelung, elektrische Glühbirnen zum
Beheizen der berühmten schwedischen Snus-Box oder ähnliches gab.
Man stellte die Mischung eben in einem geschlossenen Topf in den
Warmwasserbehälter, der in die Kochherde integriert war, und
richtete sich bezüglich der Dauer nach Auge und Nase. Die Dauer ist
abhängig von der Temperatur. Diese hat auch einen Einfluß auf den
Geschmack. Je niedriger die Temperatur um so länger die Zeit und um
so milder und runder der Geschmack. Bei 60°C dauert es eine Woche,
bei 85°C 32, bei 95°C 24 Stunden bis man die Soda zugeben kann.


Hier muss jeder seinen eigenen
Kompromiss nach seinem Gusto finden.


Ganz theoretisch ließe sich ein Snus
auch im Schnellkochtopf bei 121°C innerhalb von 6 Stunden
herstellen, der Geschmack ist aber nicht zufriedenstellend. Die
industriellen Snusproduzenten würden es sicher tun, wenn das Aroma
nicht auf der Strecke bliebe.

Scap

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Sonntag, 6. März 2016, 12:28

Sehr interessant zu lesen wie man snus als Self Made herstellen kann , was mich mal interessieren würde , wie bist du auf all das gekommen ?
Per Anleitung aus dem Internet ?
Ich denke mir persönlich wäre das alles zu viel Arbeit ect
Ziehe davor den Hut :)!
Ich Sorge mich nicht um die Geschichte .... Denn ich gedenke sie selbst zu schreiben !

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Sonntag, 6. März 2016, 13:05

In Schweden gibt's fertige Kits womit man Lös selber machen kann. Mir wäre das auch zu aufwendig. Für die eine Dose Lös die ich im Jahr evtl. konsumiere......

BP79

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Sonntag, 6. März 2016, 16:02

Ich bin auch nicht der Selbermacher....

ABER: Geiler Vortrag!!!!!!!

Frog

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Montag, 7. März 2016, 11:08

Vielen Dank @Romar, sehr interessante Infos.

Man merkt, hier spricht der Chemielaborant :thumbup:

Dieser Bericht wird mir u.a. eine wertvolle Hilfe sein, meinen eigenen Lös herzustellen.

Erst mal wird aber der Tabak hierfür selbst angebaut.

http://www.tabakanbau.de/de/

Es geht mir dabei nicht um Kostenersparnis, sondern um den Spass an der Freud
einen eigenen Snus vom Samenkorn bis zum fertigen Produkt herzustellen.

Shiner

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Dienstag, 8. März 2016, 13:49

Respekt ! Echt ausführliches Tutorial.
Wenn jetzt noch jemand ne Ahnung hat wie man Dip selber macht würde ich überschäumen :D
Shine with me ...

motsch

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Dienstag, 8. März 2016, 14:48

RESPEKT echt toll gemacht!!!

Mir gehts da leider um die zeit und leider bin ich im umkreis von den nächsten 60-90km der einige snuser den ich kenn um ein gemeinsames projekt daraus zu machen.
Aber so ein kit aus schweden hät ich gerne, weis jemand ob man das und wo man das her bekommt? und wäre das legal?

Eightball

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Dienstag, 8. März 2016, 15:23

Bestellen zu uns hab ich noch nie gesehen. Hat mir letztes Jahr einer in Schweden gezeigt, der seinen lös selber macht. Den guten seh ich August wieder. Wenn du willst, frag ich ich ihn.

motsch

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Dienstag, 8. März 2016, 21:55

das wäre echt ne tolle sache wenn wir da was machen könnten.......super

Romar

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Montag, 14. März 2016, 21:22

Beweggrund war einfach der exorbitante Preis und die gesalzenen Versandkosten. Odens: recht hoher Preis und 10€ Versand, Northerner: gute Preise, großes Sortiment vergleichsweise günstiger Versand aber dann die Ernüchterung - ohne Steuern! Eben mal gut 22% draufgeschlagen von denen vorher nirgens die Rede ist. Schweden-Connection .. Fehlanzeige.
OK, dann gibt es ja noch die Thunder Produkte. Geschmacklich finde ich sie in Ordnung. Aber auch hier ist der Preis durch den deutschen Zwischenhändler unattraktiv. 4,30€ pro Dose losen Thunder und dasselbe für 120 Beutelchen. Die fertigen Portionen enthalten für fast 5€ zudem nur die halbe Tabakmenge.
Was bleibt? DIY, do it yourself, Internetrecherche, Youtube-Videos, Schwedische Selbstmach-Seiten (Danke Google Übersetzer). Fehlversuche und gräßliche Ergebnisse eingeschlossen. Gottseidank bin ich das methodische Arbeiten aus Laborzeiten gewohnt. Also alle Zutaten unter genauester Gewichtskontrolle, saubere Temperaturführung und Protokollierung.
Große Charge von 200g 'kochen', in 4 Teile teilen und die Soda in verschiedenen Mengen zugeben.
Wenn die optimale Menge gefunden ist, dann mit den Geschmacks- und Konsistenzzutaten ( Glycerin, Gummi Arabicum) ebenfalls erstmal verhalten rangehen und langsam steigern bis die optimale Menge gefunden ist.

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